Zweite Heimat Malaysia

24 März 2008

Formel 1 Grand Prix in Sepang / Grand Slam Sunday

Mit etwas Glück und Beziehung (ja, die ist überall wichtig ;) hab ich für das Formel 1 Rennen ein kostenloses Ticket bekommen. Obwohl die Preise hier von 30 - 400 Euro als relativ "günstig" gelten, hätte ich mir niemals ein Ticket geholt, obwohl ich ein Fan bin. Im Fernsehen läßt sich das entspannter anschauen. So konnte ich aber nicht nein sagen und bin mit Hostelstammgast und Motorsportexperten John (der seit geraumer Zeit an seiner Vision für eine Motorsport Universität Malaysia arbeitet) zum Rennen gefahren. Der Eintritt war zwar frei für uns, aber mußten wir mit einer ordentlichen Portion Sonnenbrand bezahlen, dafür reichten die paar hundert Meter von der Hauptstraße die Böschung hinauf zur Strecke, ja und ein etwas herumlaufen bis zum Rennstart.

Der Sonnenbrandhügel des Todes


Viele Finnische Fans


Entgegen meiner ersten Hoffnung war unser Sitzplatz nicht auf der Start-Ziel-Geraden, sonsten auf der gegenüberliegenden Geraden. Bis zum Rennanfang liefen wir den Mallbereich ab.



Als einzige Verpflegung gab es nur 25-Ringgit-Combos mit Hamburger/Hot-Dog/Satay und Chips und Softdrink. Trotzdem standen die Leute Schlange und das Essen war an den meisten Ständen bereits weit vor dem Rennen ausverkauft.




Ich hatte mich zum Glück vor Abfahrt noch mit einem einem Tosai vom Inder nebenan (für 1 Ringgit) vollgestopft. John, redefreundlich wie immer, quatschte einen Koch an, der gerade am Eingang einer VIP-Lounge eine Pause machte und versuchte mich als deutschen Chefkoch zu verkaufen, aufgrund meiner Weihnachtsmarkterfahrung am Bratwurststand.

"Keep off the grass"!


Zum Rennanfang waren wir dann endlich an unserem Sitzplatz am Anfang der Geraden, südlich der Mallarea. Der Lautstärke und Vibration der vorbeifahrenden Autos ist noch krasser als man es erwartet und ich stopfte mir schnell etwas in die Ohren. Viele Leute hatten sich Ohrschutzköpfhörer mit Streckenfunk gekauft oder gar einen tragbaren Fernseher, um am Ball zu bleiben. Wir versuchten ohne diese Hilfe auszukommen. Immerhin wußte ich immer das der rote Ferrari der erste war, der zweite Ferrari schied zum Glück recht früh aus, was das Ganze vereinfachte. Der Zweite war ein BMW. Doch welcher Fahrer darin saß und wie die sonstige Reihenfolge war, blieb ein großes Rätsel. Aber es war laut und der ganz Körper hat mitgeschwingt beim Vorbeifahren der Autos.

Unser Blick


Es gibt sicher gemütlichere Schlafplätze:


Ja, ich war beim Formel 1 vor Ort dabei. Das nächste Mal wieder vorm Fernsehen.
Leider, blieb auch mein Wunsch eines Regenrennens (in den letzten Tagen schüttete es ordentlich in KL) unerfüllt. Erst auf der Rückfahrt in die Stadt fing es an zu regnen und hörte nicht mehr auf bis Mitten in die Nacht, als der Sporttag mit dem Grandslam Sonntag (ManU - Liverpool und Chelsea-Arsenal) beim Inder nebenan ausgeklungen wurde, auf malaysische Art. Wenn etwas wirklich malaysisch ist, dann englischen Fußball bei seinem Mamak (muslimisches indisches Restaurant) zu schauen. Boss, Teh Tarik - satu lagi!

Volles Haus beim Inder!

14 März 2008

Kuala Terengganu

Jetzt endlich ein paar Bilder aus Kuala Terengganu letztes Wochenende. KT, Malaysier lieben Abkürzungen bei Städtenamen, is die Hauptstadt vom Bundestaat Terengganu an der Ostküste der malaysischen Halbinsel. Es ist ein kleinere Stadt mit 350.000 Einwohner, obwohl sie eigentlich kleiner wirkt, wahrscheinlich sind da die ganzen Vororte (Dörfer) mit einbezogen. Laut Reiseführer war die Stadt noch vor einigen Jahren nicht viel mehr als ein übergroßes Fischerdorf an der Mündung vom Sungai Terengganu. Doch seit dem Ölfunden vor der Ostküste hat sich die Stadt relative rasant entwicklt, aber ist immer noch recht entspannt und provinziell im Vergleich zu Kuala Lumpur. Aber die Staus auf der Straße gibt es mittlerweile dort auch. Terengganu zählt die den Regionen in der die malaiische Kultur zuhause ist. Die Malaiien machen hier nahezu 100% der Bevölkerung aus, aber in Kuala Terengganu gibt es auch ein kleines Chinatown, das idyllisch am Flussufer liegt mit Häusern die sich auf nach hinten raus auf Stelzen in den Fluss fortsetzen.
KT wird von den meisten Rucksacktouristen übersprungen, ist aber allemahl einen 2-tätigen Besuch wert, finde ich.

Chinatown


Auf der Rückseite wachsen die Häuser in den Fluss




Auf der Flußinsel Duyung werden noch traditionell Boote gebaut oder in diesem Fall wohl eher repariert


Blick von Chinatown über den Fluss nach Pulau Duyung beim Sonnenuntergang


idyllische Szenerie, nur 10min Bootsfahrt vom Stadtzentrum


die Zainal Abidin Moschee


und die brandneue Krystall-Moschee, die Teil des neueröffneten Islamic Civilisation Parks ist, wo Miniaturversionen von den berühmten Moscheen der Welt nachgebaut wurden


und natürlich die berühmte "Floating Mosque", die so heißt weil so auf dem Wasser zu schweben scheint


Natürlich gibt es hier auch eine farbenfrohen Markt, wo über frischen Fisch, Obst, Gemüse, Snacks, Klamotten so ziemlich alles gibt



Hier gibt's noch mehr Fotos

09 März 2008

Malaysia hat gewählt

Dies schrieb ich Eintrag nach der Einkündigung zur Neuwahl:
"Interessant wird sicherlicher auch zu sehen wie sich die immer größere Anzahl von oppositionellen politischen Aktivisiten, die sich im Internet über Blogs vernetzen (die großen Medien in Malaysia sind sehr von der Regierung kontrolliert, Sozialismus light), auf die Stimmung auswirken. Das politische System wird das nicht verändern, aber der eine oder andere Prozentpunkt könnte sich bewegen."

Seit gestern nacht stehen die Wahlergebnisse fest und der eine oder andere Prozentpunkt hat sich bewegt und das überraschend deutlich. Hier spricht man schon von einem politischen Tsunami. Im 222-sitzigen Parlament nimmt die Opposition nun 82 Sitze ein (2004: 20) und auf Landesebene 196 Sitze (2004:51), stellt die Opposition nun sogar 5 Landesregierungen (zuvor war nur Kelantan von PAS regiert) mit Siegen in Kelantan, Penang, Kedah, Perak und sogar Selangor, neben Penang dem am weitesten entwickelten Bundesland im Kuala Lumpur im Herzen. Die Opposition (DAP, PKR, PAS) hat somit fünfmal soviel Stimmen geholt wie vor 4 Jahren. Die Regierungskoalition Barisan Nasional gewann zwar die einfache Mehrheit im Parlament, verfehlte aber die 2/3 Mehrheit und erst recht die sozialistischen 90 Prozent von 2004.

Der Erfolg der ist eine klare Absage an bisherige Parteiensystem, daß auf Rassenpolitik vor 50 Jahre gebaut wurde (Barisan Nasional besteht seit Staatsgründung aus den 3 großen Parteien für Malaien, Chinesen und Indern, mit der malaiischen UMNO an der Führungsspitze), an Korruption und Kungelei, Bevormundung der Medien und stammt auch aus der Unzufriedenheit der Chinesen und Inder. Die neuen Medien mit ihren Bloggern und alternativen Information, welche vor 4 Jahren noch keine Rolle spielten, haben hier tatsächlich die Wahl im großen Maße beinflußt. Denn eigentlich gab es keinen großen Grund das bisherige System abzuwählen, wenn man hier die großen Zeitungen las oder Fernsehen schaute. Da wurde die Arbeit der Regierung immer im guten Licht dargestellt und auch beim Wahlkampf bekam Barisan Nasional eindeutige Unterstützung. Zusätzlich geht es Malaysia im allgemeinen tatsächlich nicht schlecht und die Wirtschaft wuchs in den letzten Quarten wieder stärker. Den Fortschritt und die Entwicklung bekommt man jedes mal zu spüren wenn man ein paar Monate nicht da war. Mit dem Fortschritt kam auch die weite Durchdringung des Landes mit neuen Medien und somit Zugang zu alternativen Informationen. Anders kann ich mir die überraschend vielen Sitze für die Opposition nicht erklären. Mit dem wirtschaftlichen Entwicklung des Landes scheint nun auch langsam aber sicher ein politisches Aufwachen oder Erwachsenwerden einzusetzen.

Zusätzlich kam als Faktor noch die bessere Koordination unter den Oppositionsparteien beim Wahlkampf dazu und der Oppositionspolitiker Anwar, der 1998 aus fadenscheinigen Gründen als damaliger Vizepräsident zu einigen Jahr Haft verurteilt und 2004 entlassen wurde. Laut Verfassung darf er aber erst ab April wieder für ein Amt kandidieren. Seine Partei (PKR) erhielt die meisten Oppositionsitze im Parlament und seine Frau und seine Tochter gewannen ihre Wahlkreise. Im innerstädtischen Wahlbezirk Lebah Pantai kam es zu 1-gegen-1 showdown (in so gut wie allen Bezirken wurde 1-gegen-1 angetreten) zwischen Answar`s Tochter Nurul gegen Sharizat, eine von 3 Jahren Frauen im alten Kabinett als Familienministerin. Zu Lebah Pentai gehört unter anderem auch Bangsar, Malaysias Yuppie-Viertel Nummer 1. Sensationell setzte sich die 27-Jährige gegen die Ministerin durch.

Ihr merkt schon, ich hab mich in die Wahl mit reinziehen lassen und hab sie fasziniert wie ein WM-Endspiel verfolgt. Gestern nacht saß ich dann auch noch bis nachts um 3 Uhr vorm Internet (das Fernsehen hing ganz schon hinterher) um die Ergebnisse der Wahlkreise zu verfolgen. Vielleicht hab ich ja ein kleines Stück Geschichte mitverfolgt, wie damals als ich vom Balkon mein Tante in Leipzig die Montagsdemo am 9.Oktober 89 als Kind beobachtet habe ;)

Hier in Kuala Terrengganu hab ich meine Freundin begleitet zur Wahl. Die ganze Stadt war dekoriert ohne Ende. Hier war es hauptsächlich ein Kampf zwischen Barisan und PAS. Vor der Schule, wo man wählen konnte, standen dann auch von jeder Gruppe ein Stand wo eifrig mit Fähnchen geschwungen und versucht wurde, Wähler umzustimmen. Am Stand von Barisan konnte man sich nach abgeschlossenem Wahlvorgang sogar Geld abholen für die Unkosten der Anreise, in diesem Fall 100 Ringgit. Da das unabhängig davon war was gewählt wurde, ist es nur eine angedeutete Bestechung.
In Terrengganu legt die Regierungskoalitation Barisan Nasional übrigens zu und gewann recht deutlich.
Einige weitere "Malaysia dekoriert sich für die Wahl 2008"-Fotos kommen noch. Das waren spannende 2 Wochen, hoffentlich ist in 2 Wochen wieder alles aufgeräumt. Ich freu mich auf jeden Fall schon auf die Zeitung morgen früh für die Busfahrt zurück nach Kuala Lumpur.

08 März 2008

Wochenendtrip nach KT - eine andere Busfahrt

Dieses Wochenende bin ich in mit Curtney nach Kuala Terrengganu (oder kurz KT) an die Ostküste gefahren. Es ist ihr Heimatort und somit ist sie hier als Wähler registriert (Heute is großer Wahltag in Malaysia). Es war gar nicht so einfach für gestern, Freitag, noch ein Busticket zu bekommen. Erstens ist Freitag in Terrengganu Wochenende und dann beginnen auch noch die Schulferien. Die Ostküste ist hauptsachlich malaiisch muslimisch geprägt, daher ist hier der Freitag wie ein Sonntag, da im Islam der Freitag ein Ruhe- bzw. Gebetstag ist. Ja, und Wahlen waren ja auch noch. Da ist das halbe Land unterwegs (zumindest die, die wählen wollen), da viele in ihrem Heimatstädten registriert sind und nicht am Wohnort. Unglaublich wie der Straße entlang der Ostküste mit Wimpeln und Fahnen zudekoriert war. (Bilder kommen noch)

Jedenfalls gab Montag bereits keine Tickets mehr für sämtlich Busse nach KT am Putra Busbahnhof in KL (von dem Bahnhof fahren die meisten Busse an die Ostküste ab). Alle Schalter gaben die gleiche Auskunft, nur ein Typ vor den Schaltern meinte, er hätte noch Tickets für 40 Ringgit (ca. 8 Euro, anstatt üblichen 30 Ringgit). Ohne irgendwas zu überprüfen ob noch Plätze frei waren, schrieb er die Tickets aus. Nach langen Überlegen und nachfragen am Schalter ob die Verkäufer legal arbeitet, blieb mir am Ende nichts anderes übrig (oder doch?) als die Tickets zu nehmen.

Als wir dann Freitag früh am Busbahnhof waren, war natürlich kein Bus dabei der für uns die Plätze hatte. Glücklicherweise hatte ich mir vom Verkäufter die Handynummer geben lassen und wir riefen an. Er kam dann wenig später persönlich und lief überall herum um noch 2 Plätze zu organisieren. Nach einer Weile winke er uns eilig zu sich, es gab noch Plätze in einem Bus der gleich abfahren würde. Wir stiegen in den Bus und er meinte, ganz hinten sind noch Plätze. Doch als ich hinschaute sah ich keine freien Plätze. Hinten angekommen, bemerkte einen etwa 60cm breiten Zwischenraum zwischen letzter Sitzreihe und Busrückwand, etwas erhöht und leicht gepolstert. Der Platz wo der 2.Busfahrer schlafen kann. Das sollte unser Platz für die nächsten 8 Stunden sein. Bis auf die unsäglich Klimaanlage die in meine Richtung bließ war es am Ende garn nicht so unbequem. Wie oft lieg wann schon mal während einer Busfahrt (sogar mit Blick nach draußen). Gegen Abend kamen wir dann recht ausgeruht am Haus der Familie im kleinen Chinatown von KT direkt am Fluss an und haben vorher sogar Rückfahrttickets am Schalter für Montag bekommen!

01 März 2008

Nachtmarkt (Pasar Malam)

Eine der besten Seiten des malaysischen Lebens sind die Nachtmärkte, die es in jedem Viertel mindestens einmal die Woche gibt. Diese machen am spätem Nachmittag auf und bleiben bis ca. um 22Uhr auf. Neben allerlei Trödel gibt's, was sonst, Essen und nochmals Essen. Vorsicht wer hungrig ist, jetzt kommen Bilder von einem reinen Essensmarkt in TTDI (Taman Tun Dr. Ismael), einem Außenbezirk von Kuala Lumpur.


Apam Malik (ein Art knuspriger Pfannkuchen)


Nasi Goreng (gebratener Reis)


Nasi Lemak (Kokosmilchreis mit Anchovis, Erdnüssen, Gurke, scharfer Sambalsoße, Ei und wahlweise Hühnchen)


Apam Malik


Nasi Lemak


Ramlee Burger (Malaysia's Straßenmarkenhamburger)


Laksa (fischige Nuddelsuppe)


Murtabak


Nasi Campur (verschiedene Sachen die man seinem Reise zufügen kann)


Nasi Ayam (Hühnchenreis)


Kebab


Keropok Leko (gebratener Snack aus Fischpaste)


Kuew Teow (gebratene Bandnudeln)


Gedämpfter Mais


Getränke und Tofu-Dessert


typische indische scharfe Dessertsnacks


Früchte, Früchte, Früchte


Und Hunger??

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