Zweite Heimat Malaysia

29 Februar 2008

Wahlschlacht

Nach 10 Tage bis zur Wahl in Malaysia und die Wahlkampfmaschinerie läuft auf Hochtouren. Nach und nach wird hier alles mit Plakaten, Wimpeln, Fahnen und Sonstigem zugekleistert nach dem Motto: Revier makiert ist schon halb regiert.

Hier geht's zu meinem ersten Beitrag zu den Wahlen.

Man muß sich das so vorstellen, als ob am 8.März Bundestags-, Landtags- und Kommunalwahl in einem stattfindet. Als Wähler hier muß man zwei Kreuze machen:

1) für den Parlamentskandidaten (Parlamentary)
Jeder zukünftige Parlamentsabgeordnete muß sich einem lokalen Wahlkreis stellen. Nur wenn er den gewinnt, zieht er ins Parlament ein.

2) für den "Landtags"kandidaten (State assembly)
die Person ist dann für diesen Wahlbezirk verantwortlich

Die Bezirke für Parlamentsabgeordnete sind etwas größer als die der Landtagsabgeordneten.
Da es eine Vereinbarung gibt, daß sich mehrere Oppositionsparteien nicht gegenseitig die Stimmen wegnehmen, tritt immer nur ein Kandidat der Oppositation gegen einen Kandidaten der Regierungskoalition (Barisan Nasional) an. Somit kommt es zu hunderten 1-gegen-1 Showdowns im ganzen Land. Das heißt wer eine Stimme mehr im Wahlbezirk bekommt, hat das Duell gewonnen. Was die Medienpräsenz und die Wahlkampfmittel angeht ist die Regierungskoalitation unter Führung der malaiischen UMNO klar bevorteilt. Auf lokaler Ebene wird nun erbittert um Stimmen gekämpft, schließlich mußte jeder Kandidat für die Kandidatur mehrere tausend Ringgit Kaution bezahlen. Also wird munter drauflos dekoriert, Jugendlichen Geld in die Hand gedrückt, damit sie Wimpel und Fahnen an allen möglich und unmöglichen Stellen anbringen oder mit Fahnen laut hupend durch die Gegend fahren.
Hier ein paar Eindrücke aus den letzten Tagen:

Die PAS-Zentrale in einer ländlichen Region in Melaka:


Wahlkampfmobil von DAP in Kuala Lumpur



Fong Kui Lun, der für die Oppositionspartei DAP die letzten beiden Wahlen im Innenstadtbezirk Bukit Bintang gewonnen hat, auf Händeschütteltour in einem Mamak-Restaurant (muslimisches indisches Restaurant und Herz des malaysischen sozialen Lebens) in Brickfields (KL Sentral)


Regierungskoalition Barisan (blau) hat hier klar den Deko-Wettbewerb gegen PAS (grün) gewonnen:


Am Straßenrand...


oder über der Straße ...


... auf Ampeln ...


... oder ganze Wohnblöcke ...


... jedes Fähnchen könnte ja ein Stimme wert sein.


Alle Links zu den Wahlen in Malaysia sind umfassend hier zusammengefasst: Klick
Auch interessant:
malaysiavotes.com (3 Journalisten versuchen unabhängig von der Wahl zu berichten)
Blog von Marina Mahathir (Tochter des ehemaligen Staatschefs)
Blog von Jeff Ooi (erster malaysischer Blogger als Parlamentskandidat)

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22 Februar 2008

Malaiische Hochzeit

Am Wochenende war ich zur Hochzeit des Cousins von meinem Mitbewohner eingeladen. Das ganze fand im Bundesland Melaka statt in einer ländlichen Gegend. Es war ein recht einfache Hochzeit, aber das Essen war lecker :)
Die erste Hochzeit wäre sicherlich interessanter gewesen. Bei den Malaien find nämlich immer 2 Hochzeit statt. Eine auf der Seite der Braut (in ihrem Heimatort) und auf der Seite des Gatten (in seinem Ort). Nur der "harte Kern" der Familie und des Freundeskreises erscheint zu beiden Hochzeiten. Bei der Brauthochzeit finden diverse Rituale statt, bei der zweiten Hochzeit ist es eigentlich nur mehr oder weniger ein halböffentliches Büffet das am Nachmittag stattfindet.
Dabei kommen im Laufe des nachmittags schonmal mehrere hundert Leute vorbei, in diesem Falle gab es 1000 Einladungen. Ich bezweifle mal, dass das Brautpaar alle persönlich kennt. Für den gemeinen Besucher heißt das, hinkommen, sich vom Buffet Essen nehmen, an den Tisch setzen, essen, wieder gehen. Und dabei wird man aus großen Boxen mit viel Bass mit moderner Musik vollgedröhnt. Es gibt natürlich auch Hochzeiten wo eine Musikgruppe traditionelle Musik spielt, ist halt alles eine Frage des Budgets und des Stils. Aber das Essen war lecker (Rendang!!!) und ich war zufrieden. Danke für die Einladung.

Das Brautpaar kommt an


... Marsch zum Ort des Geschehens ...


... gefolgt von der Familie ...


... endlich am schattigen Plätzchen angekommen ...


Gebet vorm Essen


... während in den anderen Zelten die Schlemmerei schon seit Stunden im Gange ist ...


Mit einer Spritztour durch herrliche laendliche Gegenden in Melaka mit Wasserbueffeln am Strassenrand wurde der Trip abgerundet:

Melaka House


eine etwas ältere Variante ...



Wasserbüffel am Straßenrand...


... und im Schlamm

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Ueberall Löwen

Wie fälschlicherweise vorher angegeben, waren die Feiern zum Chinesischen Neujahr doch noch nicht vorbei. Wie ich jetzt weiss, wird das Neujahr 15 Tage lang gefeiert, wobei jeder Tag unterschiedliche Bedeutungen hat. Gestern war dann tatsächliche der letzte Tag. Das bekamen wir gestern zu spüren als zur Freßstraße Jalon Alor hoch sind und auf einmal eine Horde Löwen vor uns stand und herumtanzte. Zum Glück handelt es nur um die Version, die aus 2 Menschen bestehen und ihren Liondance zelebrierten. Wir zelebrierten das Ganze mit einem Gelage im Thai Seafood Restaurant. Die folgenden Fotos enstanden kurz davor beim Liondance:







Die Rhytmusgruppe sorgt für die Akkustik


Es ist harte Arbeit im Löwenkostum zu stecken, besonders bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit

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17 Februar 2008

Portugiesen in Malaysia

Die drei großen Bevölkerungsgruppen in Malaysia sind ja bekanntlich die Malaien, die Chinesen und die Inder. In Ostmalaysia auf Borneo gibt es noch weitere große Gruppen (z.B. die Iban). Dann gibt es noch die Eingeborenenvölker (hier allgemein als Orang Alsi bezeichnet). Malaysia ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen von Kulturen, da selbst du großen Gruppen nicht homogen sind und sich wiederum unterteilen - truly asia eben, wie der Werbeslogan des Tourismusverbandes in Malaysia passend lautet.

Offizieller Werbetrailer 2007, Malaysia - Truly Asia:



Eine weitere sehr interessante Minderheit sind die Portugiesen. Die damalige Kolonialmacht Portugal schickte Alfonso de Albuquerque im Jahre 1511 auf Expedition nach Malaya. Nach einer mehrmonatigen Belagerung von Melaka (eine der bedeutendsten Handelsstädte jener Zeit) fiel die Stadt und somit ein auch Großteil Malayas in die Hände der Portugiesen. In den nächsten Jahrhunderten wurden die Höllander immer machtvoller. Nach mehreren Versuchen gelang es schließlich der Dutch East India Company (VOC) Melaka im Jahre 1641 einzunehmen (was sie wiederum and die Briten 1795 verloren).
Noch heute sind die Einflüße der Portugiesen (und einige übriggeblienen Bauten) in Melaka zu erleben.

Dieses Wochenende war ich endlich mal wieder in Melaka, einer kleineren Stadt zwei Stunden südlich von Kuala Lumpur. In Melaka gibt es noch eine kleine Gemeinschaft von Portugiesen die im Portuese Settlement leben. Diese Gegend ist besonders für seine Restaurants (hauptsächlich Seafood) bekannt. Natürlich mußte ich da wieder hin und mir den Bauch vollschlagen. In den letzten Jahren bin ich einige Male von Yen, dem Besitzer vom Gästehaus Eastern Heritage, in eine Kneipe im Portugiesischem Viertel geschleift wurden und habe dabei einige Leute aus dem Viertel kennengelernt. Als wir dieses Mal nach einem Restaurant Ausschau hielten, blickte ich in ein bekanntes Gesicht. Es war Joseph, ein portugisischer Fischer, mit dem ich schon ein paar Gespräche in den letzten Jahren geführt hatte. Er erkannte mich auch gleich wieder und so war klar, daß wir in dem Restaurant in dem er arbeitet, essen würden.


Der Portugiesische Fischer Joseph aus Melaka

Er setzte sich zu uns und nachdem wir uns für deep fried fish in black sauce, brasilianisches BBQ Hühnchen, Gemüse und Fruchtsäfte entschieden hatten, erzählt Joseph uns etwas von seinen Leuten. Es gibt wohl tatsächlich noch um die Zentausend Portugiesen im Land, die auch noch einen alten portugisischen Dialekt sprechen. Ihre Hautfarbe ist aber etwas dunkler, da damals die Schiffe der Portugiesen ohne Frauen losgeschickt wurden. Auf ihren Touren heirateten einige Männer Frauen aus Indien (Goa war ein wichtiger Hafen der Portugiesen in Indien), aus Java in Indonesien und Frauen aus Melaka. Einige der Portugiesen sollen selbst sogar aus Brasilien gewesen sein. Tja, und ein paar Leuten gefielt es in Melaka wohl so gut, daß sie da blieben und ihre Kultur und Sprache weitestgehend bis heute behielten.

Joseph, der gerade dabei war sein Netz wieder zu reparieren, erzählte, daß letztes Jahr der Fischfang sehr gut war. In den letzten Monaten lief es aber recht schlecht, da der Monsun in der Straße von Malacca wohl recht heftig war und selbst jetzt noch am Ende der Monsunsaison die Winde auf Meer zu stark sind um richtig rausfahren zu können. Er erzählte auch mit Sorgen von Plänen der lokalen Regierung weiteres Land vom Meer abzugewinnen. In einigen Jahren würden dann die Restaurants am Portuguese Square nicht mehr wie jetzt im Ufer stehen, sondern ein Stück landeinwärts. Die Küstenlinie in Melaka wurde ja sowieso schon in den letzten Jahrhunderten massiv von den Menschen verändert. Damit wurde einfach der Müll ins Mehr gekippt um Land zu gewinnen. Die Küste war ursprünglich zumeinst Sumpf- und Mangrovengebiet.

Ich frage ihn, wo es sonst noch Portugiesen in Asien gibt. Er meinte neben Macao in China, gibt es sie noch in Timor Leste (Ost-Timor). Das war mir völlig neu. Laut Wikipedia war Portugiesisch-Timur die einzige Provinz die die Portugiesen vor den Holländern damals behaupten konnten. Dort ist portugiesisch sogar eine der Amtssprachen. Aber genug des historischen Halbwissens. Das Essen war unglaublich lecker und Joseph ein spannender Gesprächspartner. Bis zum nächsten Mal im Portugisieschem Viertel. Dann gibt's wieder Chili-Krabben ;)


Joseph und Ich beim internationalen Grins-Wetterbewerb

16 Februar 2008

Mopeds, Mopeds, Mopeds

Gestern abends wollte ich mit meinem Mitbewohner noch schnell in einem Einkaufszentrum in der Nähe eine Software holen. Dort existiert noch ein Laden wo man Piraten-Software bekommt, wie man das hier nennt. Die gefälschten DVDs sind mittlerweile fast komplett aus dem Stadtzentrum verschwunden. Vorher war KL ein Paradies für gefälschte Produkte. Es gibt sie aber immer noch, man muss nur mehr danach suchen. Ich kaufe sowas natürlich nicht!

Da es schon recht spät und viel Verkehr war, wollte Gazza (mein Mitbewohner) das Moped nehmen. Also Helme geschnappt und los gings, ich als Sozius hinten drauf ins Abenteuer Berufsverkehr mit erhöhten Adrenalinspiegel für mich. Mit dem Moped ist man nämlich deswegen wesentlich schneller weil um die Autos herumfährt wie um Slalomstangen. Dabei kann es recht eng werden. Die Locals sind darin aber ware Künstler und sind darin seit der Kindheit geübt. An einer Ampel fuhren wir links (in Malaysia herrscht Linksverkehr) an der Autoschlange vorbei, dabei würde es einmal so eng das wir mit der Fußraste an der Bordsteinkante schliffen. Er meinte hinterher, es war meine Schuld, da ich so steif hintendrauf saß. Mann sollte sich locker machen und den Bewegungen des Mopeds folgen, mitfließen, Eins werden mit dem Moped. Auf dem Rückweg ging es dann schon besser.




Moped sind hier ein beliebtes, preisgünstiges und vorallem im Berufsverkehr schnelles Verkehrsmittel und in ländlichen Gebieten sieht man schon Schüler die damit herumdüsen. Gleichzeitig ist man auf Mopeds aber auch einer wesentlich höheren Gefahr ausgesetzt. Der Malaysier neigt ja sowieso zu einer etwas waghalsigeren Fahrweise.

In den Städten, besonders nachts, kommen die Mopedfreaks aus ihren Löchern. Die auf teils getuneten (oder am Schalldämpfer herum geschraubt) Mopeds fahrenden Jungendliche sind mal allein oder in ganzen Gangs unterwegs. Dabei wird manchmal mit 100 Sachen um Autos herumgekurvt oder diverse Stunts vollführt (auf dem Hinterrad fahren). Dieser Trend ist hier viel diskutiert, von den Medien in eine kriminelle Ecke gedrängt und wird mittlerweile mit erhöhten Polizeikontrollen bekämpft. Gefährlich ist es allemal. Der lokale Jargon für die Jungs ist "Mat Rempit".



auf der Autobahn gibt's kein Morgen

Unter den Mopedfahrern hat sich hier eine ganz eigene Mode etabliert. Die Jacken werden dabei verkehrt herum angezogen und hinten offengelassen, das sorgt für gute Lüftung. Als ich Freunde von mir fragte warum sie die Jacke falsch herum oder überhaupt anziehen (schnell friert man hier nicht wirklich) meinten sie, daß man auf die Art wesentlich schneller die Jacken an und ausziehen kann und das T-Shirt darunter bleibt sauber während der Fahrt.
Dann gibt es noch Mopeds die als fahrende Snack- und Brotläden umgebaut sind. Unglaublich was man alles auf Moped bekommt. Selbst komplette Familie passen da drauf.

Selbst ein kompletter Brot- und Snackladen passt aufs Moped...


... oder ein ganze Familie


... diverse sperrige Gegenstände


.. und Korb voll Hühner


... und ne Zeitung, falls man mal Rot an der Ampel hat.




In anderen Ländern in Südostasien ist das noch extremer, vorallem von der Menge der Mopeds. Da ist Malaysia schon fast langweilig dagegen und ein gutes Einstiegsland (und Testgelände) für die weitere Reise nach Norden.

Der berüchtigte Verkehr in Vietnam:



14 Februar 2008

Malaysia steht vor Neuwahlen

Gestern, am 13.Februar, hat der Premierminister Abdullah Ahmad Badawi das Parlament aufgelöst und somit den Weg für Neuwahlen frei gemacht. Eigentlich wird hier nur alle 5 Jahre gewählt und es wäre noch über ein Jahr Zeit für die Wahlen gewesen, aber der Premierminister kann jederzeit das Parlament auflösen - mit Zustimmung des Königs, der hier in etwa die Funktion unseres Bundespräsidenten übernimmt (repräsentative Funktionen), somit nennt sich das politische System hier konstitutionelle Monorchie. Allerdings gibt es keinen festen König auf Lebenszeit wie in Thailand sondern der König wechselt aller 5 Jahre in einer Art Rotation zwischen den 9 Sultanen die es in Malaysia gibt. Seit 2007 ist der Sultan von Terrengganu (an der Ostküste der Halbinsel) Mizan Zainal Abidin der König, hier offiziell Yang di-Pertuan Agong (oberster Führer) genannt.

Jedensfalls hat sich Badawi den 13.Februar (13 is seine Liebslingszahl) herausgesucht um das Parlament aufzulösen. Politik läuft hier manchmal etwas anderes, aber genause schmierig und korrupt wie überall. Lieben wir nicht alle unsere Politiker ;) Die Auflösung des Parlamentes ist an sich nichts Spektuläres und wurde schon seit Monaten gemunkelt und die Wahlkampfmechanismen wurden schon vor Bekanntgabe in Bewegung gesetzt. Heute wurde der Wahltermin für den 8.März bekannt gegeben. Warum die Wahl vorgezogen wurde bleibt mir schleierhaft. Ausländische Medien spekulieren daß sie Regierungskoalation im nächsten Jahr eher an Zustimmung verlieren könnte, auch eine Wahl Anwars (einflußreicher Oppositionspolitiker, der ab April wieder ein politisches Amt annehmen kann) wird somit umgangen.

Aber so kann ich das Spektakel mit verfolgen. Schließlich gibt es in Malaysia immer was zu feiern ;) War es im September der Ramadan, kam Weihnachten in Dezember, dann Thaipusam im Januar und das Chinesische Neujahrsfest geht gerade zu Ende. Im Vielvölkersstaat Malaysia passiert immer was. Nun werden die roten Laternen also für Parteiwimpel ausgetauscht.

Doch wirklich was ändern wird sich nicht, da seit der Unabhängigkeit Malaysias im Jahr 1957 ein und dieselbe Koalition eine 2/3 Mehrheit hat (Barisan Nasional - die nationale Front). Diese besteht aus UMNO (Partei der Maleien), MCA (Partei der Chinesen), MIC (Partei der Inder) und diversen kleineren Gruppierungen. Dabei behält die UMNO (also die Malaien), da sie auch knapp die Bevölkerungsmehrheit repräsentiert, weitesgehend die Macht in ihren Händen. Neben einigen kleineren Opositionsparteien gibt es momentan nur PAS (die eine etwas fundamentalere islamische Ausrichtung hat) die etwas Gewicht hat, aber auf Staatsebene mit 9 von 222 Sitzen im Parlament nicht wirklich ins Gewicht fällt. Auf Landesebene stellen sie aber die Regierung im Ostküstenstaat Kelantan seit 18 Jahren und kratzt auch in Terrengganu (ebenfalls Ostküste) und Kedah (Norden, Grenze zu Thailand) immer mal wieder an der Macht.

Da bei den Wahlen in 12 von 13 Bundesstaaten auch die Landesregierung gewählt wird, liegt hier mehr Spannung in der Luft als auf Staatsebene wo es nur um die Höhe der Mehrheit von Barisan geht. Badawi ist auch der einzige Kandidat für den Premierministerposten und wenn er antritt wird er auch gewählt werden. Badawi ist der Nachfolger von Mohamad Mahathir (auch Dr. M. genannt) der das Land zwischen 1981 und 2003 eisern in seiner Hand hielt und es zu einem industriellen Tigerstaat machte. Größenwahnsinnige Projekte wie der Bau der Petronas Türme in KL gingen auf seine Kappe. Er war ein kontroverser aber charismatischer Politiker der kein Blatt vor den Mund nahm und seine Ideen konsequent durchsetzte. Er persönliche wählte Badawi als seine Nachfolger 2003 aus, als er vorzeitig aus gesundheitlichen Gründen abtrat. Badawi, der einen ganz anderen eher ruhigen Stil pflegt, wurde mit überwältigender Mehrheit 2004 wieder gewählt, doch muss zunehmend auch einige Kritik hinnehmen. Zu seinen größten Kritikern zählt mittlerweile Mahathir selbst, der auch mit 82 Jahren noch laut ist, aber keine politische Funktion mehr inne hat.

Interessant wird sicherlicher auch zu sehen wie sich die immer größere Anzahl von opositionellen politischen Aktivisiten, die sich im Internet über Blogs vernetzen (die großen Medien in Malaysia sind sehr von der Regierung kontrolliert, Sozialismus light), auf die Stimmung auswirken. Schließlich gab es erst im November die erste größere politische Protestdemonstration seit 10 Jahren in Kuala Lumpur. Das politische System wird das nicht verändern, aber der eine oder andere Prozentpunkt könnte sich bewegen.

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Malaysia liebt Plastik(tüten)

Gestern habe ich eine kurzen Abstecher zu den Batu Caves im Norden von KL gemacht, da ich dort nicht war seit die knapp 43m hohe Lord Murugan-Statur fertig gestellt wurde. Ende Januar war das Thaipusam Hindu-Fest bei dem immer zehntausende zu den Batu Caves ziehen. Ob es nun übriggebliebener Müll der Massen vom Thaipusam war oder ob es immer so aussieht, weiß ich nicht, aber die 272 Stufen die hinauf zur Höhle führen waren gut mit Plastikmüll bestückt.


Müll an der Treppe zu den Batu Caves


Zur Ehrenrettung der Batu Caves eine vorteilhaftere Perspektive ;)

Schade, daß eine solche Einrichtung nicht ordentlich saubergehalten werden kann (wie leider öfters in Malaysia zu sehen), schließlich handelt sich um eines der Highlights auf der Liste von KL-Touristen.
Zumindest die vielen Affen haben ihren Spaß mit dem Müll zu spielen und nach etwas Eßbaren zu suchen. Vielleicht ist es ja ein geschicktes Ablenkungsmanöver die Affen davon abzuhalten den Besuchern Gegenstände zu klauen.


Spannender Müll

Aber Malaysia liebt Plastik. Der klassische billige Plastikgartenstuhl erinnert mich immer an Malaysia wenn ich wieder in Deutschland bin. Gemütlich draußen unteren Wellblechdach auf einem Plastikstuhl am Plastiktisch sitzen, einen Fresh Orange aus dem Plastikglass trinken und ein Roti from Plastikteller zu essen. Und wenn's mal eilig ist dann gibt's einen Teh Tarik (indischer Teh mit viel Kondensmilch, so etwas wie das malayische Nationalgetränk) zum mitnehmen (bungkus) in einer Pastiktüte mit Plastikstrohhalm, zugebunden mit einer Plastikschnur. Aber eigentlich möchte ich das gar nicht missen, das verbindet mich mit malaysischer Gemütlichkeit und die Plastikstühle sind sogar recht bequem.


Malaiisches Restaurant mit meinen geliebten Plastikstühlen

Nervig wirds aber bei den Plastiktüten denen man hier kaum ausweichen kann. Es gibt kaum eine Person die man unterwegs sieht die nicht gerade eine Plastiktüte in der Hand hat, denn egal was man kauft, ob es nun Obst, Gemüse, Klamotten, Snacks, eine Rolle Plastiktüten oder sonstwas ist, man bekommt es in einer Plastiktüte überreicht. Und falls das Produkt mal etwas schwerer ist dann bekommt man es halt in zwei Plastiküten, eine Tüte könnte ja reissen. Nur wenn man darauf besteht, daß man keine Plastiktüte braucht, dann bekommt man die Sachen ohne diese mit einem verwunderten Blick des Verkäufers. Wenn Plastiktüten wie bei uns Geld kosten würden, würde das die Bevölkerung hier wohl in arge finanzielle Probleme stürzen oder dem Land eine ganze Menge Mühl ersparen.

Denn leider werden die Tüten (und sonstige Sachen) dann oft achtlos weggeworfen, egal ob dort ein Abfallcontainer ist oder nicht. Das Verständnis für Sauberkeit reicht oft nur bis zur eigenen Haustür (daheim ist alles blitzblank, schließlich zieht man sich vor der Tür die Schuhe aus und läuft barfuß im Haus). Laut dem Landesvater (Mentri Besar) von Selangor produziert jeder Malaysier 0.8kg Abfall täglich, im Klang Valley (dem Ballungsgebiet in dem auch Kuala Lumpur liegt) sogar 2,5kg täglich (in Deutschland 1,5kg per Person täglich - immer noch viel zu viel). In Selangor (dem bevölkerungsreichsten und modernsten aller Bundesstaaten) werden täglich 6000 Tonnen Abfall produziert. Dabei soll es sich zu 24% um Plastiktüten handeln!
Nach und nach setzt sich aber trotzdem ein Umweltbewußtsein durch, wenn auch immer noch auf niedrigem Niveau. Doch solange Plastiktüten fast nichts kosten und es keine Auflagen gibt, werden die Tüten bis auf weiteres weiterhin zum Alltag in Malaysia gehören wie das schwüle Wetter und mehrmaliges tägliches Duschen.

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12 Februar 2008

Chinesisches Neujahr

Laternen schmücken die ganze Stadt

Dieses Wochenende gingen die Feiern zum Chinesischen Neujahrsfest zu Ende und Kuala Lumpur füllt sich langsam wieder, denn wie jedem großen Feiertag in Malaysia heißt es "balik kampung" ("zurück zum Dorf", besonders während des Hari Raya zum Abschluß vom Ramadan), in diesen Falle aber eher zurück zur Heimatstadt, da die Chinesen traditionell (aber auch mit Hilfe der Umstrukturierung der Briten zu Kolonialzeit) in den Städten wohnen, denn dort läßt sich viel besser Handel treiben und Geld verdienen. Viele ziehen zur Ausbildung und zum Arbeiten in die großen Städte besonders nach KL und dieTage des Neujahrsfeste bieten dann wieder eine Gelegenheit die ganze Familie zusammenzutrommeln.


Donnerstag und Freitag waren Feiertage im ganzen Land, aber viele Chinesen nahmen gleich die ganze Woche frei und in Kuala Lumpur kehrte eine fast schon entspannte Ruhe ein. Chinesen bilden ungefährt 24 Prozent der 24 Millionen Einwohner Malaysias. Viele Traditionen werden hier noch intensiver gepflegt als in China selbst, da die Menschen hier von der Kulturrevolution verschont blieben. So war auch die ganze Stadt rotdekoriert mit dem allgegenwärtigen Spruch:
Gong Xi Fa Cai - was grob übersetzt heißt "mögest du erfolgreich sein"
Überall waren Stände zu sehen wo man man Geschenke kaufen konnte, besonders Orangen scheinen dabei sehr beliebt zu sein.

in Bukit Bintang

Zu Hause angekommen gibt nur ein Motto, wie bei fast allen Feiertagen in Malaysia: Essen, Essen, Essen. Es wird gebacken, gekocht und gebrutzelt was das Zeug hält und sich im Kreise der Familie vollgeschlagen. Ein Klassiker ist dabei Steamboat, eine Art Fondue, bei dem eine Suppe im großen Topf köchelt und davor auf Tellern verschiedenstes Gemüse, Fleisch, Fisch, Tofu, Pilze usw. bereit liegen um den Topf geworfen zu werden. Nach wenigen Minuten ist es gar und kann verspeist werden. Auf diese Art können ein paar Stunden ins Land gehen für das Abendessen.

Steamboat

Für Touristen besonders interessant ist der der Lion Dance. Dabei bilden 2 Personen ein Team unterm Kostüm, der hintere stellt die Füße des Löwen (der mehr wie ein Drache aussieht) und hält sich am Vordermann fest, während der Vordermann sich auch um die Bewegung der Augen und des Mundes kümmert. Besonders bei der modernen Versionen des Tanzes sind artistische Höchstleistungen gefordert, da auf unterschiedlichen Hohen Pfahlen getanzt und gesprungen (!) wird.
Bei den Lion Dance World Championships gewannen im Übrigen malayisische Teams bereits über 20 Mal und gelten beste der Welt noch vor China und Hongkong. Begleitet wird der Tanz von einer Rhytmusgruppe mit einer großen Trommel und mehreren Becken.
Weitere englische Information zum Liondance:
The Lion Dancers of Malaysia




Lion Dance

Mit dem Neujahrsfest begann das Jahr der Ratte, genauer das Jahr der Erd-Ratte, daraus ergeben komplexe bücherfüllende Horoskopvorrausagen und -empfehlungen. Dafür bitte die Bücherei oder Internetseite eures Vertrauens aufsuchen ;)
Zum Abschluß noch ein paar Bilder von der großen Parade auf Jalan Bukit Bintang im Zentrum Kuala Lumpur's:


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Traumjob Reisebuchautor? Begegung mit Stefan und Renate Loose in Kuala Lumpur

Der erste Eintrag

So, nun also noch ein Blog. Seit 5 Jahren verbringe ich mehrere Monate im Jahr in Malaysia und habe in Kuala Lumpur eine zweite Heimat gefunden. Ich arbeite als selbständiger Multimedia-Designer und dank dem Internet kann ich mein mobiles "Büro" auch in Südostasien aufbauen. Zusätzlich bin ich von Anfang an am wunderbaren kleinen und familiären Hostel Red Palm in Kuala Lumpur beteiligt. Dadurch treffe ich viele interessante Menschen, die mit ihren Rucksäcken durch Asien reisen. Um diese Erfahrungen und Malaysia mit anderen zu teilen, bastele ich seit etwas 3 Jahren an der backpackingmalaysia.com Seite wenn mal Zeit dafür ist.


Die Red Palm Crew mit Freunden und Gästen (ich bin hinten mittig)

Begegnung mit Stefan und Renate Loose
Dieses Wochenende kam es wieder zu einer dieser vielen zufälligen Begegnungen mit interessanten Menschen die hier passieren und mich zu diesem Blog inspiriert haben. Ich war gerade dabei das Red Palm-Tor vom Staub zu befreien, also plötzlich ein Mann vorm Eingang stand und nach einem Zimmer fragte. Das Red Palm war wie fast immer ausgebucht, aber er erkundigte sich weiter nach Zimmerpreisen und machte sich eifrig Notizen. Da in letzter Zeit einige Reiseführer ihre Botschafter vorbeigeschickt hatten, frage ich gleich nach. Und siehe da, er war tatsächlich vom bekannten Loose-Reiseführer. Er verneinte zuerst die Frage, aber er DER Stefan Loose ist. Nachdem ich ihm von meiner Internetseite erzählte, gab ich sich dann doch zu erkennen. Es war Stefan Loose persönlich vom Reiseführer meiner Wahl.

Am nächsten Tag trafen ich mich mit ihm und seine Frau Renate auf ein Getränk in Bukit Bintang. Sie erzählten mir von ihrem interessanten Leben. Sie reisen seit 30 Jahren durch Asien und haben die Loose-Reiseführer zu einer erfolgreichen Marke gemacht um die eigentlich kaum ein deutschsprachiger Individualtourist herum kommt. Bei meiner ersten Malaysia-Reise war der Loose-Reiseführer natürlich auch mit ihm Gepäck. Es entwickelte sich ein spannendes Gespräch und es wurde über Malaysia gefachsimpelt und darüber wie es früher war. Schließlich bereisten die beiden Land das noch, als Malaysia noch vor dem großen industriellen Sprung nach vorm stand. Es gab noch nicht die Nord-Südautobahn, der Verkehr lief über kleine Straßen, Flüsse wurden mit Fähren überquert, das Land erholte sich noch von den Unruhen Ende 60er, es herrschte noch große Armut auf dem Land und die muslimischen Frauen trugen noch keine Kopftücher.
Seither ist viel passiert, ob nun kulturell oder wirtschaftlich. Das Land ist permanent in Bewegung. Daher ist es wichtig als Reisebuchautor die Information auf dem neuesten Stand zu halten. Die Looses bereisen daher alle 2 Jahre die Länder und überprüfen die Information und schnüffeln nach immer neuen Sachen. Die klingt wie ein Traumjob und ist es sicher teilweise auch, da die beiden für ihre eigenen Bücher schreiben. Allerdings haben sie 2002 ihr "Imperium" an den DuMont Verlag abgegeben. Sie arbeiten aber weiterhin als freie Mitarbeiter ohne dem Stress der Geschäftsführung ausgesetzt zu sein. Jetzt sind sie 4 Monate im ganzen Land unterwegs um möglichst überall zu recherchieren. Das heißt Arbeit von morgens bis abends, Preise überprüfen, Zimmer anschauen, sich nach Abfahrtszeiten erkündigen, Hintergründe, Tips und Tricks und und und...

Eine Woche vorher traf ich ein junge Französin die frei für einen französischen Reiseführer arbeitet. Auch sie erzählte von den stressigen Tagen die einem auf diesen Recherchetrips begleiten. In ihrem Falle auch so low-budget wie möglich, da sie erst alles vorfinanzieren muss und dann später erst pro Zeile bezahlt wird und das auch nicht wirklich üppig. Sie meinte es ist ein spannender Job aber bei weitem kein Traumjob und lange würde sie es auch nicht machen wollen.
Also großen Respekt and die Vorzeigenomaden Stefan und Renate die dies seit 30 Jahren mit Herz und Seele machen. Für sein eigenes Buch ist man natürlich auch mit ganz anderer Begeisterung dabei. Renate frage mich was meine Vision für die Zukunft sei und blickte in ein etwas verwirrtes Gesicht ;) Sie meinte meiner Internetseite fehlt noch die klare Linie wo ich damit hin will. Und recht hat sie, ich laß mich gerne vom Leben treiben und die Strömung spülte mich den Strand von Malaya. Und genauso dynamisch entwicklt sich die Interseite, ständig neue Ideen und keine Zeit sie richtig einzubauen. Ist ja nur eine Hobbyseite, sage ich immer zur Entschulding und ein Spielplatz für mich als Webdesigner. Jetzt hat Renate mich stark ermutigt und fast schon aufgefordert ein deutsches Blog auf die Seite zu setzen. Da ich bisher immer noch etwas ängstlich war, persönliche Sachen zu veröffentlichen, war das ein wohl notwendiger Schubser und vielleicht gar ein Wink des Schicksals. Schließlich sind wir hier ja im spirituellen Orient und nicht im rationalen Westen ;)

Ich hoffe, daß ich in meinen nächsten Eintragen (bis April bin ich noch in Malaysia) einen halbwegs erträglichen Schreibstil finde und erschuldige mich schonmal für sämtliche Rechtschreibfehler, doppelte Wörter etc. Und Stefan und Renate wünsche ich eine sichere und spannende Arbeitsreise.

Tilo

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