Portugiesen in Malaysia
Die drei großen Bevölkerungsgruppen in Malaysia sind ja bekanntlich die Malaien, die Chinesen und die Inder. In Ostmalaysia auf Borneo gibt es noch weitere große Gruppen (z.B. die Iban). Dann gibt es noch die Eingeborenenvölker (hier allgemein als Orang Alsi bezeichnet). Malaysia ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen von Kulturen, da selbst du großen Gruppen nicht homogen sind und sich wiederum unterteilen - truly asia eben, wie der Werbeslogan des Tourismusverbandes in Malaysia passend lautet.
Offizieller Werbetrailer 2007, Malaysia - Truly Asia:
Eine weitere sehr interessante Minderheit sind die Portugiesen. Die damalige Kolonialmacht Portugal schickte Alfonso de Albuquerque im Jahre 1511 auf Expedition nach Malaya. Nach einer mehrmonatigen Belagerung von Melaka (eine der bedeutendsten Handelsstädte jener Zeit) fiel die Stadt und somit ein auch Großteil Malayas in die Hände der Portugiesen. In den nächsten Jahrhunderten wurden die Höllander immer machtvoller. Nach mehreren Versuchen gelang es schließlich der Dutch East India Company (VOC) Melaka im Jahre 1641 einzunehmen (was sie wiederum and die Briten 1795 verloren).
Noch heute sind die Einflüße der Portugiesen (und einige übriggeblienen Bauten) in Melaka zu erleben.
Dieses Wochenende war ich endlich mal wieder in Melaka, einer kleineren Stadt zwei Stunden südlich von Kuala Lumpur. In Melaka gibt es noch eine kleine Gemeinschaft von Portugiesen die im Portuese Settlement leben. Diese Gegend ist besonders für seine Restaurants (hauptsächlich Seafood) bekannt. Natürlich mußte ich da wieder hin und mir den Bauch vollschlagen. In den letzten Jahren bin ich einige Male von Yen, dem Besitzer vom Gästehaus Eastern Heritage, in eine Kneipe im Portugiesischem Viertel geschleift wurden und habe dabei einige Leute aus dem Viertel kennengelernt. Als wir dieses Mal nach einem Restaurant Ausschau hielten, blickte ich in ein bekanntes Gesicht. Es war Joseph, ein portugisischer Fischer, mit dem ich schon ein paar Gespräche in den letzten Jahren geführt hatte. Er erkannte mich auch gleich wieder und so war klar, daß wir in dem Restaurant in dem er arbeitet, essen würden.

Der Portugiesische Fischer Joseph aus Melaka
Er setzte sich zu uns und nachdem wir uns für deep fried fish in black sauce, brasilianisches BBQ Hühnchen, Gemüse und Fruchtsäfte entschieden hatten, erzählt Joseph uns etwas von seinen Leuten. Es gibt wohl tatsächlich noch um die Zentausend Portugiesen im Land, die auch noch einen alten portugisischen Dialekt sprechen. Ihre Hautfarbe ist aber etwas dunkler, da damals die Schiffe der Portugiesen ohne Frauen losgeschickt wurden. Auf ihren Touren heirateten einige Männer Frauen aus Indien (Goa war ein wichtiger Hafen der Portugiesen in Indien), aus Java in Indonesien und Frauen aus Melaka. Einige der Portugiesen sollen selbst sogar aus Brasilien gewesen sein. Tja, und ein paar Leuten gefielt es in Melaka wohl so gut, daß sie da blieben und ihre Kultur und Sprache weitestgehend bis heute behielten.
Joseph, der gerade dabei war sein Netz wieder zu reparieren, erzählte, daß letztes Jahr der Fischfang sehr gut war. In den letzten Monaten lief es aber recht schlecht, da der Monsun in der Straße von Malacca wohl recht heftig war und selbst jetzt noch am Ende der Monsunsaison die Winde auf Meer zu stark sind um richtig rausfahren zu können. Er erzählte auch mit Sorgen von Plänen der lokalen Regierung weiteres Land vom Meer abzugewinnen. In einigen Jahren würden dann die Restaurants am Portuguese Square nicht mehr wie jetzt im Ufer stehen, sondern ein Stück landeinwärts. Die Küstenlinie in Melaka wurde ja sowieso schon in den letzten Jahrhunderten massiv von den Menschen verändert. Damit wurde einfach der Müll ins Mehr gekippt um Land zu gewinnen. Die Küste war ursprünglich zumeinst Sumpf- und Mangrovengebiet.
Ich frage ihn, wo es sonst noch Portugiesen in Asien gibt. Er meinte neben Macao in China, gibt es sie noch in Timor Leste (Ost-Timor). Das war mir völlig neu. Laut Wikipedia war Portugiesisch-Timur die einzige Provinz die die Portugiesen vor den Holländern damals behaupten konnten. Dort ist portugiesisch sogar eine der Amtssprachen. Aber genug des historischen Halbwissens. Das Essen war unglaublich lecker und Joseph ein spannender Gesprächspartner. Bis zum nächsten Mal im Portugisieschem Viertel. Dann gibt's wieder Chili-Krabben ;)

Joseph und Ich beim internationalen Grins-Wetterbewerb

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